Wieland wurde am 5. September 1733 in Oberholzheim als Sohn eines Pfarrers geboren. Er studierte später in Tübingen und Erfurt. Seine frühen Werke waren von religiöser Überzeugung geprägt. Als er eine Zeit lang in Zürich verbrachte, schrieb er schwärmerische Gedichte. 1769 wurde er Professor an der Universität Erfurt. 1773 gründete Wieland eine sehr bedeutende literarische Zeitschrift: “Der Teutsche Merkur”, 1796 die Zeitschrift “Das attische Museum”. In seinen Zeitschriften erschienen zahlreiche Übersetzungen griechischer und lateinischer Klassiker. Wieland starb am 20. Januar 1813 in Zürich.
Wieland zählt zu den bedeutendsten Prosadichtern der Aufklärung. Er gilt neben Klopstock und Lessing als einer der wichtigsten Wegbereiter der Weimarer Klassik. Zwischen 1762 und 1766 übersetze Wieland über 20 Dramen von Shakespeare und förderte deren Bekanntheit im deutschsprachigen Raum. Sein Hauptwerk ist der Roman “Geschichte des Agathon” (1766). Er handelt von der Erziehung eines jungen Mannes im Sinne der aufklärerischen Ideale. Dieser erste große Erziehungs- und Bildungsroman stellt einen Vorgänger des modernen psychologischen Romans dar.
Wieland schrieb zahlreiche bekannte, erfolgreiche und berühmte Werke, so neben dem hier zu rezensierenden „Agathon“ auch noch die „Abenteuer des Don Sylvio“ und die „Abderiten“, zudem einige seinerzeit außerordentlich erfolgreiche Versepen wie „Oberon“ sowie einzelne Dramen und Gedichte.
Geschichte des Agathon
Es ist der erste große Bildungs- und Erziehungsroman in der deutschen Literatur und gilt als Vorgänger des modernen psychologischen Romans. Wieland schildert in ihm das Heranwachsen des schönen athenischen Jünglings Agathon zu einem reifen Mann. Der junge Agathon ist ein enthusiastischer Schwärmer, der an Ideale glaubt, die es nach Wieland in der Realität nicht gibt. Der Autor zeigt wie Agathon nach und nach durch Desillusionierungen und Enttäuschungen zu einer realistischeren, erfolgversprechenderen und glücklicheren Lebenseinstellung gelangt. Zuerst erfährt Agathon die Doppelmoral und Hinterlist der Priester im Heiligtum von Delphi, dann enttäuschen ihn die Athener durch ihren Neid und ihren politischen Wankelmut, darauf hintergeht der Sophist...
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